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Tag der Landwirtschaft - 1. Erlebnisparcours zur Landwirtschaft in der Prignitz

16.06.2016
Kreisbauernverband Prignitz e.V.  und AGRARaktiv - Kompetenzzentrum Landwirtschaft und ländlicher Raum initiierten „Tag der Landwirtschaft“ in der Prignitz – Fortsetzung geplant.

 

Nein, nicht für Fachleute, sondern für Schülerinnen und Schüler aus Grund-, Oberschule und Gymnasium sollte dieser Tag zum Erlebnis werden. Ein Erlebnis ganz anderer Art. Landwirtschaft zum Anfassen, Informationen und neue Erfahrungen für viele Schülerinnen und Schüler, sowie Lehrer und Eltern. Die Vielzahl der landwirtschaftlichen Themen sollte gezeigt werden.

 

Eingeladen waren Schülerinnen und Schüler der Klassen 6 und 7 aus Karstädt und Perleberg. Leider konnten nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden, mit 220 Teilnehmer waren die 15 verschiedenen Stationen voll ausgebucht.

 

Initiiert wurde der „Tag der Landwirtschaft“ vom Kreisbauernverband Prignitz und AGRARaktiv mit Unterstützung von LANDaktiv. Gastgebender Betrieb war die Agrargenossenschaft Karstädt e.G. Auf dem Gelände der Milchviehanlage hatten sich zum „1.Tag der Landwirtschaft“, neben den Mitarbeitern und Auszubildenden der Agrargenossenschaft auch viele weitere Akteure eingefunden. Los ging es am frühen Morgen, bei herrlichem Sonnenschein mit einer Begrüßung durch den Geschäftsführer, Lothar Pawlowski. Der Landrat des Landkreises Prignitz, Torsten Uhe war als Gast dabei und  freute sich besonders über das große Interesse der Schulen und wünschte den Schülerinnen und Schülern einen interessanten Tag.

 

Dann ging es auch schon los. Auf die Schülerinnen und Schüler wartete ein auf die Klassenstufen 6 und 7 abgestimmter Erlebnisparcours mit sieben bzw. acht verschiedenen Stationen.

Zu den Partnern an diesem Tag zählte die AVEBE Kartoffelstärkefabrik Dallmin um Rita Minow, hier erfuhren die Schüler praxisnah wie aus Kartoffeln, Stärke entsteht und in welchen Produkten Stärke verarbeitet ist, so in Glasnudeln, Puddingpulver oder auch Bonbons. Weiter ging es zu den Bienen, Marion Noak vom Imkerverein Meyenburg, zeigte, wie wichtig Bienen für eine intakte Umwelt und gute Erträge in der Landwirtschaft sind. Udo Becker vom Kreisjagdverband berichtete über die Zusammenarbeit der Jäger mit den Landwirten und wie man Wildschäden an Feldkulturen vermeiden kann. Besondere Aufmerksamkeit genoss an diesem Tag sein mitgebrachter junger Jagdhund.

Eine intakte Umwelt ist gerade für eine gute landwirtschaftliche Produktion wichtig. Ricarda Rath und Marion Schlede von der Naturwacht Lenzen, hatten viele verschiedene Lebewesen aus der Elbtalaue dabei. Für die Erhaltung einer intakten Umwelt arbeiten Naturwacht und Landwirte eng zusammen. Was ist auf dem Acker los? Wie ist das mit dem Ackerbau von heute und was wächst da überhaupt? Alle diese Fragen konnten am Stand von Pioneer beantwortet werden.

 

„Petri Heil“ hieß es dann beim Angelverein Karstädt. Wer angelt den größten Fisch? Hier auf dem Gelände der MVA gibt es einen kleinen Teich mit Fischen, an dem die Schülerinnen und Schüler einmal selbst die Angel auswerfen konnten. Die Pflege und Hege unserer heimischen Gewässer sind ebenfalls wichtige Themen für die Landwirtschaft.

 

Der Renner bei Betriebserkundungen in der Landwirtschaft ist immer der Kälberstall und der ist hier in Karstädt doch recht groß. Fast jeden Tag gibt es Nachwuchs.  Hier begann ein regelrechter Wettkampf um das zutraulichste Tier. Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn die Kälbchen versuchen an der Hand zu saugen. Informationen zur Kälberaufzucht und zur Ausbildung als Tierwirt gab es von Laura Schulz, Azubi im 1. Lehrjahr.

 

Um Kühe, Roboter und Karusselle ging es beim Besuch im Melkhaus der Agrargenossenschaft. Hier werden gleichzeitig 60 Kühe gemolken, deren Milch, über ein ausgeklügeltes System dann schließlich ganz ohne Kontakt zur Umwelt, im Tank landet. Darüber berichtete Maik Justin Schmelz, ebenfalls Azubi in Karstädt.

 

Wie viel frisst eine Kuh und wie kommt das Futter zur Kuh? Dieser Frage gingen die Schüler am Stand von Jörg Madaus, angehender Meister der Landwirtschaft und Azubi David Nitzow nach. Hier konnten die verschiedenen Mengen und Arten der Futtermittel untersucht werden. Richtiges Füttern ist eben eine halbe Wissenschaft, schnell kann man mit zu viel Kraftfutter den Stoffwechsel der Tiere durcheinander bringen. Dass eine Kuh ca. 120 Liter Wasser am Tag braucht, erstaunte schon viele. Die ausgestellte Futtertechnik der Agrargenossenschaft wurde noch ergänzt durch Technik vom örtlichen Landmaschinenhandel, der SRB Karstädt.

 

Wir schützen Pflanzen! In Zeiten der öffentlichen Diskussion um Glyphosat und Düngung wurde auch über diese Thema am Stand von Andreas Kiekback von der AG Mesendorf diskutiert und informiert. Pflanzenschutzmittel an sich sind kein Gift, die Dosis macht`s. Landwirte, die mit Pflanzenschutzmittel umgehen, müssen einen Sachkundenachweis haben und sich regelmäßig fortbilden. Nicht bekämpfte  Giftstoffe in Pflanzen, wie Pilzbefall im Getreide, sind um ein vielfaches gefährlicher als Pflanzenschutzmittel.

 

Aber was ist Landwirtschaft ohne moderne Landtechnik? Hierzu gab es gleich mehrere Stände. Am Stand der modernen Erntetechnik wurden die verschieden Erntemaschinen vorgestellt und erklärt. Wie komfortabel heute eine Kabine im modernen Mähdrescher sein kann und auch muss, wenn man in der Erntezeit doch viele Stunden darin arbeitet konnten die Schüler selbst erfahren. Andres Wilde, von der AGRAR GmbH Kleinow und Landwirt Axel Lietke mussten viel Fragen beantworten. Moderne Traktoren mit GPS hatten die Mitarbeiter der Firma Harald Bruhns GmbH aus Karstädt mitgebracht. Hier konnten die Schülerinnen und Schüler unter Anleitung selbst erfahren, wie es ist wenn ein Traktor nur durch GPS gesteuert wird.

 

Besonders stolz war Jan Milatz, Verantwortlicher für den Feldbau in der AG, über sein mit den Azubis David Nitzow und Jan Nikisch ausgehobenes Bodenprofil. Welche Bodenschichten es gibt, dass Boden nicht gleich Boden ist und das der Boden das wichtigste Arbeitsmittel des Landwirtes ist, erfuhren die Schülerinnen am Stand “Nicht nur märkischer Sand“, betreut von Mitarbeitern der DSV Saaten aus Bückwitz.

 

Viele praktische Erfahrungen konnten an diesem Tag von den Schülerinnen und Schülern gesammelt werden. Was sie gelernt hatten, konnten sie dann in einem Quiz der „Länderinnen“ unter Beweis stellen, auch gab es viele Informationen zur Agrarpolitik und Landwirtschaft.  Unter den besten Teilnehmern wurde dann noch ein Klassenfrühstück von den „Länderinnen“ verlost.

 

Die Agrargenossenschaft Karstädt ist ein Ausbildungsbetrieb, so lag es nah, auch über die verschiedenen Möglichkeiten der Ausbildung und über Ausbildungsinhalte zu informieren. Dies übernahmen die Mitarbeiter aus dem Projekt AGRARaktiv. Welche Voraussetzungen wichtig sind, welche Schulnoten und Schulabschlüsse und natürlich auch wo man Praktikums- oder Lehrstelle findet. Ganz praktisch mussten hier Getreidesorten oder Futtermittel bestimmt werden.

 

Zwischen den vielen Stationen musste auch mal eine Pause eingelegt werden, dazu gab es einen Pausenstand der durch die Azubis und Mitarbeiter der Volks-& Raiffeisenbank Prignitz ausgerichtet wurde. Da gab es viel leckere regionale Produkte, wie Kakao und Joghurt von „arla“, Müsli und Obst von der Vormark Kochkultur GmbH aus Perleberg und Brötchen und Kuchen von der Bäckerei Ditten aus Karstädt.

 

Mit diesem Tag sollte über moderne Landwirtwirtschaft, Natur und Umwelt informiert werden. Mit Vorurteilen weites gehend aufgeräumt und eine realistische Landwirtschaft vermittelt werden. Genauso wichtig wie die Nachwuchsgewinnung, ist die öffentliche Wahrnehmung unserer regionalen Landwirtschaft durch Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern und Lehrer. Ich denke diese Ziel haben wir erreicht.

 

Im nächsten Jahr wird es einen "2. Tag der Landwirtschaft" in der Prignitz geben, soviel steht fest. Dann an einem anderen Standort mit alten und neuen Akteuren, der gastgebende Betrieb ist jedenfalls schon gefunden.

 

Wir bedanken uns bei allen Akteuren, Mitarbeitern der Agrargenossenschaft Karstädt, besonders bei der Volks-& Raiffeisenbank Prignitz für die manuelle und finanzielle Unterstützung. Natürlich auch für die Teilnahme der Schülerinnen und Schülern, Lehrern und Eltern aus Perleberg und Karstädt, die hoffentlich viele neue Eindrücke gewonnen haben und vielleicht findet der eine oder andere seine persönliche Zukunft in der Landwirtschaft.

 

Marina Maaß

Regionalmitarbeiterin von AGRARaktiv - Kompetenzzentrum Landwirtschaft und ländlicher Raum

Gefördert vom Ministerium für ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Brandenburg

 

Foto: Vorstellung der Grünen Berufe durch Regionalmitarbeiterin Martina Finkel